Münsterbauverein Breisach e.V.

Geschichte der Kirche

Das Münster St. Stephan ist teilweise auf den Fundamenten eines Römerkastells errichtet. Die Kalkstein-Markierung im Pflaster des Münsterplatzes zeigt den Verlauf der römischen Mauerreste an. An der Kirche wurde mit Unterbrechungen bis Ende 1400 gebaut; entsprechend findet man spätromanische bis spätgotische Bauelemente. Der 2. Weltkrieg hinterließ Breisach als Ruinenfeld. Der französische Militärgouverneur überlegte 1945 ernsthaft, ob er das schwer beschädigte und einsturzgefährdete Münster nicht abreißen lassen sollte.

Renovierung

Das Münster St. Stephan war zu allen Zeiten das Wahrzeichen der Stadt am Rhein. Nachdem in den Jahren zwischen 1990 und 2000 die Pfarrei und der Münsterbauverein Breisach e.V. sich nach Kräften an der Innensanierung des Münsters beteiligten, wurde von 2005 bis Ende 2010 ihr Äußeres renoviert. Zunächst war die Beschaffung des in den Außenwänden verbauten und stark geschädigten vulkanischen Tuffsteins ein großes Problem. Er konnte schließlich nahe Achkarren (Kaiserstuhl) gewonnen werden.

Die äußere Gestalt der Kirche

Zwischen dem steil aufragenden hochgotischen Chor und dem vorgeschobenen spätgotischen Westbau steht das romanische Münster. Verputzte, von rundbogigen Fenstern durchbrochene Mauern umschließen die klar aneinander gefügten Räume. Das erhöhte Mittelschiff begleiten die mit Pultdächern bedeckten Seitenschiffe; sie stoßen auf ein ausladendes Querhaus mit ungleichen Enden. Das nördliche Querhaus zeigt noch die Schönheit der klar gegliederten staufischen Kunst. Der gedrungen wirkende Nordturm und der untere Teil des Südturms stammen aus romanischer Zeit.

Weil an der Nordseite des Münsters früher der Friedhof lag und man von hier aus die Kirche betrat, ist die Nordseite als Schauseite reicher gestaltet als die Südseite. 1275, als Breisach freie Reichsstadt wurde, begann man mit dem Neubau des Chores. An den romanischen Chor ist der Altarraum angefügt. Zwischen den von Fialen gekrönten Strebepfeilern unterbrechen schmale, zweiteilige Fenster die Wandflächen. Hoch ragt das steile Dach über die Firste des alten Baues auf. Dieser Teil muss um 1300 vollendet gewesen sein.

 

Auf das nach Osten abfallende Gelände stellte man eine in Arkaden nach außen geöffnete Unterkirche, eine Krypta, deren Sterngewölbe auf einem runden Mittelpfeiler ruht. 1978 gestaltete sie der Breisacher Bildhauer Helmut Lutz zur Gedenkstätte um, die an die fast völlige Zerstörung der Stadt Breisach im 2. Weltkrieg und an den Wiederaufbau erinnert.

 

Nach dem Anschluss der Stadt an Vorderösterreich im 14. Jh. begann man um die romanische Fassade im Westen eine querrechteckige Halle zu bauen. Die Zahlen 1473 am nordwestlichen Pfeiler im Innern und 1485 am Treppenturm auf der Südseite des Westbaus weisen darauf hin.

 

Das Hauptportal zeigt im Türfeld zwei übereinander liegende Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons St. Stephanus, seine Aussendung als Diakon, die Predigt und seine Steinigung, darüber die Grablegung.

Der Innenraum

Blickt man aus der Westhalle in Richtung des Hochaltars, dann hat man eine dreischiffige Halle vor sich. In Doppelarkaden öffnen sich die beiden Mittelschiffjoche zu den schmalen, kreuzrippengewölbten Seitenschiffen. Die Vierung und die beiden ungleich langen Querhausflügel zeigen die in der Tradition der spätromanischen oberrheinischen Baukunst stehende Architektur. Unter dem Lettner hindurch führt eine Treppe in den Hochchor. Über sechs weitere Stufen gelangt man zum Hochaltar.

Die Beschränkung auf den Ausbau des Münsters zu einer einfachen Hallenkirche wurde nach der burgundischen Pfandschaft (1469 - 1474) von den Bürgern durch eine beachtenswerte Innenausstattung wettgemacht. Was davon im Laufe der Jahrhunderte erhalten blieb, zählt heute noch zum Schönsten in der Spätgotik am Oberrhein.

Weltgericht

Der berühmteste Maler dieser Landschaft, Martin Schongauer, malte 1488 bis 1491 auf die West-, Süd- und Nordwand der Westhalle das Weltgericht. Sein Zustand hat nach manchem Krieg, aber auch nach Sanierungsversuchen stark gelitten.

 

Die Westwand zeigt in voller Breite des Mittelschiffs den »Richterspruch«. In der Mitte thront der mit einem grünen Mantel bekleidete Christus auf einem Regenbogen. Schwert und Lilie an seinem Kopf sind Symbole für das Gericht. Fürbittend knien Maria und Johannes der Täufer vor ihm. Auf die Nordwand hat Schongauer ein Höllengemälde gemalt, eine grausame Welt voll Wirrsal und Entsetzen. Die Malerei der Südwand dagegen beherrscht die lautere Heiterkeit des Himmels. Über einen Wiesenpfad, von Engeln empfangen, zieht die Schar der Seligen zur Paradiesespforte.

 

Lettner

Der Lettner von 1490, der in der mittelalterlichen Kirche den Priesterchor von den Laien trennte, ist ein Meisterwerk spätgotischer Steinmetzkunst. Seine zierliche, offene Form steht im Gegensatz zu den schweren Massen der staufischen Architektur.

Ein selten schönes Werk der Steinmetzkunst ist auch das links am Lettner stehende Sakramentshaus (um 1520). Sein leider stark beschädigtes Gesprenge reicht bis in eine Höhe von etwa 4 m. In die Nordapsis eingelassen ist das Heilige Grab (um 1520), in dessen Nische an den Kartagen die Eucharistie verwahrt wird.  Die mit kunstvollen Intarsien versehene Kanzel schuf 1597 Johannes Jeger.

Zelebrationsaltar

Im Fuß des modernen Zelebrationsaltars ist der silberne Reliquienschrein der beiden heiligen Stadtpatrone, der Märtyrerbrüder Gervasius und Protasius aufgestellt. Der Schrein ist ein Werk des Straßburger Goldschmieds Peter Berlin, dessen Name und die Jahreszahl 1496 auf der Giebelseite über der Ansicht von Breisach eingraviert sind. Vier vergoldete Löwen tragen den rechteckigen Walmdachschrein. Hinter dem Lettner steht das spätgotische Chorgestühl mit einem Dreisitz. Eine Fülle origineller Motive der Schöpfungsgeschichte, von Heiligenlegenden und mittelalterlicher Fabelwelt ist in derben Figuren in das Maßwerk der Wangen und in die Miserikordien eingeschnitzt.

 

Im Zuge der 1991 begonnenen Innenrenovierung erhielt das St. Stephansmünster 1996 einen neuen Zelebrationsaltar, der nach einem Künstlerwettbewerb von Franz Gutmann ausgeführt wurde. Er nannte den aus acht mächtigen Eichenstämmen hergestellten Unterbau "Altarinsel", "Arche" oder "Floß". Gutmann sieht darin ein Symbol der Kirche, will aber auch an die Übertragung der Gebeine der Stadtpatrone durch Erzbischof Rainald von Dassel erinnern.

 

 

St.Stephan ist eine aktive katholische Gemeinde, die im Münster regelmäßig ihre Gottesdienste feiert. Nach außen ist ihr größtes Fest das Stadtpratozinium. In einer farbenfrohen Prozession wird dabei der Silberschrein mit den Gebeinen der Stadtpatrone vom Münster zum Marktplatz und wieder auf den Berg zurückgetragen (Sonntag nach dem 19. Juni).

Der Hochaltar des Meisters HL

Der Hochaltar, den ein Meister H. L. um 1525 schuf, zählt zu den bedeutendsten Denkmälern deutscher Bildschnitzerei. Sein Gesprenge füllt den Chor bis zur Höhe der Gewölbekappe. Die aufgeklappten Flügel reichen bis zu den Seitenwänden. Das Gehäuse ruht auf der Predella. Die lebensgroßen Figuren umgibt ein kraftvolles Rankenwerk.

 

Ein Vorbild für die Krönung Mariens im Mittelschrein findet man im Hochaltar des Hans Baldung Grien im Freiburger Münster. Die Breisacher Maria schwebt zwischen den auf Wolken thronenden Gestalten von Gottvater und Christus, darüber die Taube des Heiligen Geistes. In den Seitenflügeln stehen die heiligen Diakone Stephanus und Laurentius (links), und die Stadtpatrone (rechts). Auf dem Buch des Stephanus liegen Steine, die Zeichen seines Martyriums. Die vier Evangelisten in der Predella sind als gelehrte Männer dargestellt, die sitzend in ihren Büchern schreiben. Ihre Symbole sind der Adler, der Engel, der Löwe und der Stier.

 

Über die Bedeutung der an drei Stellen hinterlassenen Initialen H.L. wurde viel gerätselt. Seit 1978 glaubt man, das Geheimnis gelüftet zu haben. Historiker führen für ihre Theorie Beweise an, die besagen, bei H.L. handle es sich um Hans Loy, der auch den Niederrotweiler Altar schnitzte.

 

Text und Bilder: H. Metz

 

Literatur

Da das Breisacher Münster Ziel sehr vieler auswärtiger Besucher ist, haben die Pfarrei und der Münsterbauverein im Laufe der Jahre einen ansehnlichen Grundstock an informativer und doch preiswerter Literatur zu verschiedenen Münsterthemen geschaffen.

 

Aus der Schriftenreihe des Münsterbauvereins:

Das Breisacher St. Stephansmünster

Martin Schongauer und das Jüngste Gericht

Der Breisacher Altar des Meisters HL

Bedeutung des Altarbilds im Spätmittelalter

Unser Münster, zwei Mal jährlich erscheinende Informationsschrift des Münsterbauvereins

Die Stadt auf dem Berg, Geistlicher Führer

St. Stephansmünster Breisach, Kleiner Münsterführer (Verlag Schnell & Steiner)

Großer Münsterführer (Verlag Schnell & Steiner)

Das Breisacher Stephansmünster

Westseite mit ehem. Abteigebäude

Das Stephansmünster von Südosten.

Das Stephansmünster von Osten.

Die Westwand mit dem Fresko Martin Schongauers

Die neue "Altarinsel" vor dem Lettner

Der Hochaltar des Meisters HL

Rundgang